Broadcasting für Jedermann
Broadcasting als Hobby
Noch vor einigen Jahren war „Broadcasting“ den Großen vorbehalten: Rundfunk- und TV-Frequenzen sind knapp, die Lizenzen begehrt und nur für viel Geld zu haben. Die dazugehörige Technik ist teuer, proprietär und wenig flexibel – die Bedienung ohne entsprechende Ausbildung nahezu unmöglich. Es ist noch nicht lange her, da galt der Online-Stream eines etablierten Radiosenders als Innovation; im Bereich „TV“ hat sich diesbezüglich bis heute nicht viel geändert.
Mit steigender Anzahl von Internetanschlüssen und immer höheren verfügbaren Bandbreiten neigt sich die ursprüngliche Ressourcenknappheit ihrem Ende zu. Wo vormals lediglich eine begrenzte Handvoll Kanäle zur Verfügung stand, kann heute jedermann seinen DSL-Anschluss in Verbindung mit kostenlosen Angeboten von Video-Hostern wie YouTube oder Streaming-Anbietern wie USTREAM nutzen – und seinen eigenen Radio- oder Fernsehsender betreiben. – Selbstverständlich ganz ohne große Investitionen.
Broadcasting Audio
Im Audiobereich kann man schon lange via Shoutcast & Co per Linux-Server sein eigenes Radioprogramm in die Welt hinaus streamen – live und problemlos in 128kbit/s oder mehr. Wer kein Technik-Freak ist, bedient sich eines der zahllosen kostengünstigen Radioserver-Angebote, die meist nur einen Computer mit Mikrofon voraussetzen und dafür sorgen, dass der eigene Sender auch 24/7 gehört werden kann; für die Musik können beliebige MP3-Playlists zusammengestellt werden.
Eine besondere Art des Webradios, das sogenannte „Podcasting“ ist aus der Problematik heraus entstanden, dass kaum ein privater Radiobetreiber die nötige Zeit für die Produktion von qualitativ hochwertigen Inhalten für ein Ganztagsprogramm hat. Ein Podcast ist eine Serie von Audiodateien, die sich der Zuhörer ganz nach Wunsch und zeitlich unabhängig herunterladen und anhören kann. Manche Podcaster stellen ihre neuesten Kreationen täglich zur Verfügung, andere wiederum wöchentlich oder unregelmäßig. Mittlerweile gibt es eigens zur Erstellung von Podcasts entwickelte, tragbare Audiorecorder.
Broadcasting Video
Nicht weniger Möglichkeiten hat der ambitionierte Hobbyfilmer, sein Bild rund um die Welt an den Mann zu bringen. Grundsätzlich unterscheidet man hier zwischen On-Demand Video (z. B. YouTube, MyVideo, sevenload) und Live-Streaming (USTREAM, justin.tv).
On-Demand Video, vergleichbar mit Podcasts, lässt sich – einmal auf den Server geladen – jederzeit anschauen. Erstellen lassen sich solche Videos am einfachsten mit speziellen Digital-Camcordern, die den automatischen Upload auf größere Videoplattformen unterstützen.
Live-Streaming kommt der bisherigen Definition von „Broadcasting“ am nächsten: Auf der einen Seite steht eine Kamera oder ein Abspielgerät, auf der anderen Seite schaut jemand zu – zur selben Zeit. Im Gegensatz zum Fernsehen kann jedoch bei den meisten Live-Streaming Anbietern die Sendung auch unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt weitergeschaut oder noch einmal angesehen werden.
Der Weg zum eigenen Radio- oder Fernsehsender ist heute nicht mehr weiter als der zum nächsten Bäcker. Spannende Ansätze wie das kürzlich erfundene Chat-Roulette lassen erahnen, dass wir das volle Potenzial der Kombination aus Broadcast und Interaktion noch lange nicht erreicht haben.
